abGELENKT… und warum wir eine Teilschuld tragen

Das KFZ zählt in der heutigen Zeit zu einem der meist genutzten Fortbewegungsmittel. Auch für Unternehmen sind Kraft- bzw. Nutzfahrzeuge essentiell, um anfallende Arbeiten ordnungsgemäß und termingerecht zu erledigen. Es gibt auch einige Berufsgruppen, die das ganze Jahr hindurch „hinterm Steuer“ sitzen und weite Strecken mit dem Fahrzeug zurücklegen. Egal ob Kurz- oder Langstrecke, ob gerade oder kurvige Straße, eines gilt immer:

Jede Autofahrt muss – unabhängig von ihrer Dauer – aufmerksam, vorausschauend und mit Bedacht begangen werden, um sich und andere Verkehrsteilnehmer bestmöglich zu schützen. Dabei ist auch auf verschiedene Faktoren zu achten, die während der Fahrt auftreten können.

Nicht beeinflussbare Faktoren im Straßenverkehr

Speziell im Herbst und Winter ist im Straßenverkehr mehr Vorsicht geboten, da die Fahrbahnen des Öfteren nass, glatt oder gar vereist sind. Zumal wird es gegen Abend schneller finster, was die Konzentration und Reaktionsfähigkeit beim Fahren noch zusätzlich beeinträchtigen kann. Sie kennen es sicherlich: Sie wollen nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag nur noch nach Hause, haben aber noch eine lange und mühsame Autofahrt vor sich, mit Finsternis, Regen und reflektierenden Lichtern und Verkehrszeichen – wirklich Freude kommt dabei nicht auf.

Diese häufig dem Wetter geschuldeten Gegebenheiten können zwar sehr auf die Stimmung schlagen und sich negativ auf das persönliche Sicherheitsgefühl auswirken, aber sie können von uns nicht beeinflusst werden. Wenn die Temperaturen wieder ansteigen und es in Folge länger hell bleibt, fährt es sich natürlich wesentlich angenehmer und couragierter. Es ist allerdings auch nicht immer gut, sich komplett in Sicherheit zu wägen, da sich dann schnell Unachtsamkeit beim Fahren einstellen kann.

Beeinflussbare Faktoren im Straßenverkehr

Es gibt aber auch Dinge, die wir beim Lenken eines Fahrzeugs sehr wohl beeinflussen können. Oft entstehen beispielsweise brenzlige Situationen nicht ohne Grund. Schlimmer noch: viele Gefahrensituationen entstehen überhaupt erst durch unser eigenes Handeln und Verhalten…

… jetzt mal ganz ehrlich:
Wer von uns konzentriert sich heutzutage während der Fahrt ausschließlich auf den Straßenverkehr?

Es gibt mittlerweile viele Gründe dafür, warum es uns so schwer fällt, unsere Aufmerksamkeit und Konzentration ausnahmslos auf den Verkehr zu richten. Vor allem durch laufende Modernisierung und fortschreitende Technik wird es immer schwieriger, sich strikt auf das Wesentliche – den Straßenverkehr – zu konzentrieren. Wir sind immer mehr Einflüssen (zum Beispiel technischen Neuerungen u.A.) ausgesetzt, die auf der einen Seite zwar das Leben erleichtern sollen, bei denen auf der anderen Seite Ablenkung allerdings vorprogrammiert ist.

Nachfolgend haben wir für Sie einen kurzen Überblick erstellt, durch welche Faktoren wir beim Lenken eines Fahrzeugs am häufigsten abgelenkt werden:

Mobiltelefon:

Es gibt kaum einen Gegenstand, der heutzutage so gefragt ist wie das Mobiltelefon. Laut einer Studie hängen speziell junge Menschen in etwa vier Stunden täglich am Smartphone. Jeder von uns hat sich sicherlich schon mal dabei ertappt, selbst beim Lenken des Fahrzeugs die Hände am Smartphone zu haben, sei es um zu Telefonieren, Nachrichten zu lesen oder gar zu schreiben. Eine Unfallstudie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) hat ergeben, dass jeder vierte Fahrzeugführer Textnachrichten liest; 15 Prozent beantworten diese sogar beim Fahren. Bei jungen Verkehrsteilnehmern bis 24 Jahre liegt diese Rate sogar bei bis zu 27 Prozent.

Musik:

Während der Fahrt Musik zu hören kann für gute Laune sorgen oder nach einem anstrengenden Arbeitstag auch beim „Abschalten“ helfen. Dennoch sollte man eine „gesunde“ Lautstärke wählen: ist der Geräuschpegel zu hoch, ist nicht die nötige Konzentration beim Fahren gegeben und es kann leicht passieren, dass man wichtige Signale (wie etwa Hupen eines anderen Verkehrsteilnehmers oder ein herannahendes Rettungsauto) überhört. Werden diese Signale überhört, kann durchaus eine Bußgeldstrafe verhängt werden. Sollte noch dazu ein Unfall aus der Situation resultieren, können laut TÜV Rheinland Haftpflicht- und Kaskoversicherung Regressansprüche geltend machen.

Navigationssystem und Bordcomputer:

So komfortabel und hilfreich diese technischen Neuerungen auch sind: zu viel Beachtung sollte man diesen während der Fahrt keinesfalls schenken – die volle Aufmerksamkeit sollte der Straße gelten. Laut eines Experiments des ADAC fordert das Eintippen einer Adresse in das Navigationssystem sogar die meiste Aufmerksamkeit des Fahrers bzw. ist dessen Blick mit Abstand am längsten von der Fahrbahn abgewendet.

 

Übermüdung:

Auch wenn man noch so gerne in kürzester Zeit an seinem Zielort ankommen möchte, ist es grob fahrlässig, übermüdet zu fahren. In sehr vielen Fällen werden Anzeichen von Müdigkeit nicht richtig gedeutet oder genügend ernst genommen. Laut Experten sind 25% der Unfälle auf deutschen Straßen auf Sekundenschlaf zurückzuführen.

 

Beifahrer:

Unglaublich, aber wahr: auch Beifahrer können maßgeblich dazu beitragen, den Fahrzeuglenker vom Straßenverkehr abzulenken, sei es durch ausgelassene Gespräche oder etwa durch hitzige Diskussionen. Der ÖAMTC zeigt auf, dass es auch für Beifahrer bestimmte Regeln einzuhalten gilt, um den Fahrer nicht unnötig zu stressen und ihn bei der Fahrt bestmöglich zu unterstützen.

Alkohol und andere Substanzen:

Es ist nicht umsonst verboten und wird hoch bestraft, wenn man unter Alkoholeinfluss oder dem Einfluss anderer Substanzen, die das Bewusstsein beeinträchtigen, sein Fahrzeug lenkt. Die Unfallstudie der Allianz zeigt allerdings, dass sich speziell beim Thema Alkohol die Einstellung der Verkehrsteilnehmer etwas gewandelt hat. So sei Alkohol nicht mehr Platz 1 der gefährlichsten Unfallursachen.

 

Große Sorgen bereitet mittlerweile ganz klar die Technik, was folgende Statistik verdeutlicht: Von insgesamt 3.200 Personen, die bei einem Unfall ums Leben kamen, starben 256 aufgrund von Trunkenheit am Steuer; erschreckenderweise starben deutlich mehr Menschen (350), weil sie durch die Technik abgelenkt waren.

„Je vielfältiger die Technik und je komplexer deren Bedienung, desto höher ist die Ablenkung vom Straßenverkehr.“  so Jochen Haug, Vorstand Schaden bei der Allianz Deutschland.

„Alkoholisiertes Fahren ist gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel. Wir müssen die gleiche Haltung auch bezüglich der Verwendung von Smartphones am Steuer einnehmen“, fordert Haug. „Unsere Studie macht unmissverständlich klar, dass man Menschenleben gefährdet, wenn man beim Fahren sein Handy bedient.“

Bitte beachten Sie beim Lenken eines Fahrzeugs daher immer folgende Grundregeln:

  • beide Hände ans Steuer und weg vom Mobiltelefon
  • Musik hören in angemessener Lautstärke
  • das Navi vor Fahrtantritt programmieren
  • nicht übermüdet fahren / Pausen einlegen
  • ein angenehmer Beifahrer sein / Beifahrer unterrichten
  • kein Konsum von Alkohol / bewusstseinsbeeinträchtigenden Substanzen

Man wird oft schneller zum Unfallopfer, als man denkt. Möglicherweise waren Sie selbst schon mal (verschuldet oder unverschuldet) in dieser Situation. Darum ist das Allerwichtigste: tun Sie sich und anderen Verkehrsteilnehmern den Gefallen und vergessen Sie nie, immer vorausschauend zu fahren, den Blick stets auf der Fahrbahn zu haben und sich selbst nicht zu überschätzen.

Bildquellen: pixabay.com

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